Gratkorn aktuell 4 2025

42 Gratkorn aktuell 4 / 2025 Ein Gespräch mit Mag. Hans Preitler über Klimaschutz, Verantwortung und die Zukunft der Schöpfung. Gesichter der Nachhaltigkeit in Gratkorn Was sind aus Ihrer Sicht die größten Heraus- forderungen im Bereich Klimaschutz und Nachhaltigkeit, sowohl auf lokaler als auch auf globaler Ebene? Preitler: Die größte Herausforderung sehe ich darin, dass die Menschen erkennen, dass es langfristig und im globalen Zusammenhang bessere Lösungen gibt. Welche Erfolge konnten Sie bisher in Ihrer Arbeit im Bereich Klimaschutz erzielen? Gibt es konkrete Beispiele, auf die Sie besonders stolz sind? Preitler: „Es gibt viele Erfolge in der Pfarre, für die wir auch zahlreiche Umweltpreise erhalten haben. Darunter ist eine ökologische Beschaffungsordnung, die erste für Pfarren in Österreich. Der Kostnixladen, der vielen Gemeinden als Vorbild gedient hat und für den es viele Folgeprojekte gibt. In unserem eigenen Garten haben wir bereits 1.370 Arten dokumentiert. Außerdem konnte ich viele Veränderungen in der Gemeinde bewirken, insbesondere das Radkonzept sowie die Beschaffung in der Marktgemeinde nach den NaBe-Richtlinien der Regierung.“ Inwiefern spielt die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen oder der lokalen Gemeinschaft eine Rolle in Ihrem Engagement? Haben Sie Erfahrungen, bei denen Zusammenarbeit besonders hilfreich war? Preitler: „Das Erlernte gilt es, entsprechend der eigenen Situation und den eigenen Möglichkeiten zu konkretisieren. Das kann das Nachahmen dieses Beispiels sein oder es kann ein neues Projekt entstehen, das wiederum anderen bei deren Umsetzung hilft und für sie ein Beispiel wird.“ Welche lokalen Maßnahmen oder Initiativen halten Sie für besonders effektiv im Kampf gegen den Klimawandel? Preitler: „Da glaube ich, der Zug ist abgefahren. Der Klimawandel findet statt, und es geht eigentlich eher um Klimaanpassung. Es geht darum, zu vermeiden, dass es noch schlimmer wird.“ Wie sehen Sie die Zukunft des Klimaschutzes in den kommenden Jahren? Was müssen wir tun, um die aktuellen Herausforderungen zu bewältigen und eine nachhaltigere Zukunft zu sichern? Preitler: „Es geht um den Schutz der Menschen, und es wird nur gelingen, wenn wir global denken. Die Technik wird uns nicht retten; die Dezentralisierung der Energie ist notwendig, und der Verkehr muss neu gestaltet werden.“ Was können Einzelpersonen aus Ihrer Sicht tun, um im Alltag zu mehr Nachhaltigkeit beizutragen? Welche praktischen Tipps haben Sie für Menschen, die sich ebenfalls stärker für Klimaschutz einsetzen möchten? Preitler: „Das Erste ist, den Begriff ‚Umwelt‘ zu streichen und durch ‚Mitwelt‘ zu ersetzen. Das eigene Verhalten überdenken, die Schönheit entdecken und aufmerksam sein. Und das mit der Aussicht, ein glückliches und erfülltes Leben dadurch zu erreichen.“ Welche langfristigen Visionen und Ziele haben Sie für die Zukunft im Bereich Klimaschutz? Was hoffen Sie, in den kommenden Jahren noch zu erreichen? Preitler: „Bei vielen Menschen ein Umdenken zu bewirken und ihnen zu zeigen, wie gut wir es haben könnten und was wirklich Freude macht.“ Welche langfristigen Auswirkungen des Klimawandels beunruhigen Sie am meisten? Gibt es bestimmte Entwicklungen, vor denen Sie besonders warnen möchten? Preitler: „Der Egoismus und das Denken, dass man sich selbst retten kann. Ich bin immer noch von der Corona-Pandemie entsetzt, wie die reichen Länder versucht haben, sich selbst zu schützen und dabei den globalen Süden vergessen haben. Bei uns gab es die dritte Impfung, während in den Ländern des globalen Südens Ärzte nicht einmal ihre erste Impfung bekommen konnten.“ Wie wichtig ist Bildung und Aufklärung im Bereich Klimaschutz? Welche Rolle spielen Schulen, Universitäten und andere Bildungseinrichtungen in der Sensibilisierung für Nachhaltigkeit? Preitler: „Die Inhalte sind zu wenig; es geht um Herzensbildung. Unsere Welt, die Schöpfung, ist ein Geschenk der Liebe, und sie gehört nicht uns. Dass wir das haben, dafür sollten wir uns geliebt fühlen und dankbar sein. Wir sind Gast hier auf der Erde, von jemanden der uns liebt, und sollten daher respektvoll mit allem umgehen. Die Antwort auf diese Liebe ist wieder Liebe und wer liebt, tut nichts, was der geliebten Person weh tut. Für mich als Christ ist das Gott, für andere mag es ein höheres Wesen oder das Universum sein. Gemeinsam sind Liebe und Dankbarkeit. Diese Werte gilt es zu lehren und zu leben.“ Auch Sie engagieren sich für Nachhaltigkeit oder haben ein spannendes Projekt? Melden Sie sich bei uns – wir freuen uns darauf, Ihre Geschichte zu erzählen! Kontakt: Dzejljan Primoschitz Abteilung A6 – Bildung, Gesellschaft & Kultur, Marketing & Kommunikation E: dzejljan.primoschitz@gratkorn.gv.at Tel.: +43 3124 22201 537 Was hat Sie dazu motiviert, sich für Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu engagieren? Gab es einen bestimmten Moment oder ein Ereignis, das Ihre Entscheidung beeinflusst hat? Preitler: „Ich bin in einem religiösen Umfeld aufgewachsen, in dem Nächstenliebe und Gottesliebe – und damit auch die Schöpfung – immer eine große Rolle gespielt haben. Hinzu kommt, dass wir heute in einer globalen Welt leben, in der jeder Mensch mein Nächster ist und die ganze Welt Schöpfung ist. Aus diesem Grund war mein Motto von Jugend an: global denken, lokal handeln.“ Können Sie uns einige der Projekte oder Initiativen vorstellen, an denen Sie derzeit arbeiten? Was sind die wichtigsten Ziele dieser Projekte? Preitler: „Ein Projekt, für das ich auch sehr bekannt bin, ist der Kostnixladen. Bei Kostnixladen geht es um die Wertschätzung der Dinge gegenüber der Schöpfung, der Ressourcen, aus denen die Dinge entnommen wurden, und der Menschen, die sie produziert haben. Das zweite Projekt ist meine Tätigkeit im Arbeitskreis Nachhaltigkeit der Diözese, im Vorstand. Dort geht es um die Umsetzung der Enzyklika ‚Laudato si‘, die fälschlicherweise oft als Umwelt-Enzyklika bezeichnet wird, dabei geht es jedoch vielmehr um Herzensbildung. Das dritte Projekt ist unser Garten, den meine Frau Brigitte und ich pflegen. Hier geht es mir darum, verantwortungsvoll mit Eigentum umzugehen. Dieser Garten ist Teil der Schöpfung und wurde von uns als ein Ort der Biodiversität gestaltet.“ Hans Preitler in dem wunderschönen Garten, den seine Frau Brigitte gemeinsam mit ihm zu einem Ort der Biodiversität und nachhaltigen Verantwortung gestaltet hat

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